Clemens Meyer im Gespräch; Poesie des Alltags
Clemens Meyer im Gespräch; Poesie des Alltags
Die unglaublich dunkeldeutsche, verfallene Anmutung der Wuppertaler Hänge. Brockiger Basalt, verkommene Häuser, deren Fassaden Schmutz weinen. Belgisches Kriegsgebiet ohne Industrie. Auf dem Bahnsteig eine alte Dame mit weißen Handschuhen. Am flaschengrünen Skelett der Schwebebahn weiße Fahnen, drei an der Zahl. Über den zugewachsenen Schluchten stehen schwarze Wolken schwanger. Hier kam schon lange niemand mehr vorbei, vor dem man hätte kapitulieren können.
Die Luft ist feucht und kalt.
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Karl Lagerfeld spricht über Kreativität und Marketing.
Das Universum ist ein Ready made. Es enthält alle Komponenten der Versorgung und du spielst einfach ein wenig damit herum. Du positionierst dich in Beziehung zu anderen. Ob du dich nun am Anfang oder am Ende befindest. Schlussendlich macht man doch immer das Gleiche und ist in diesem Kontinuum. Du bist kein Erfinder, nur eins der Elemente aus diesem Strom. In diesem Sinne gibt es nichts Einzigartiges an irgendjemandem. Und sicherlich nicht an mir. Alles, was man tut, ist das Füllen einer Lücke. Diese Lücke existiert und jemand wird sie ausfüllen. Vielleicht du. Es kann aber genauso gut jemand anders sein. *
Anstatt Aufklärung über die soziale Wirklichkeit zu leisten, fungieren Medien in ihrer Realität heute als Amüsierbetrieb und Ruhigstellmaschine.
Rüdiger Suchsland; Die Industrialisierung des Denkens
Als Bangs fragt, ob sich Hütter und Schneider fotografieren lassen, lehnen sie dies ab. "Wir haben unsere eigenen Bilder. Die können Sie benutzen." Als Bangs verwundert nachfragt, erklären die Kraftwerker: "Wir posieren nicht. Wir sind paranoid." Weitere Erklärungen bekommt Bangs nicht. Die beiden Musiker in den schwarzen Anzügen, mit den schmalen Krawatten und dem kurzen Haar brechen das Interview ab. "Wir müssen uns ausruhen. Bitte entschuldigen Sie uns", erklären sie höflich. *
Um die Wiederholung konstruktiv zu halten, wird das Moment des Verlustes anzuerkennen sein, das die Differenz bedingt. Die Wiederholung holt nicht dasselbe wieder, sie erinnert an das Gleiche, das eben nicht identisch ist, und zeigt damit auch das auf immer Verlorene im Wiederfinden.
Marion Strunk; Die Wiederholung *
Der Kunstsammler Thomas Olbricht spricht über die Intention Kunst zu sammeln und führt durch die von ihm kuratierte Ausstellung Rockers Island im Folkwang Museum Essen.
Der Fotograf zum Beispiel, der gerade Aufnahmen macht, schießt seine Bilder in Bruchteilen von Sekunden, also in einer extrem abstrahierenden Manier. Die Videos, die ich von meinen Eltern habe, zeigen Augenblicke, die vorüber sind. Wir leben also mit Bildern und Tönen, die es nicht mehr gibt. Und doch machen sie einen wichtigen Teil unserer Erfahrung aus. Das ist ein spirituelles Phänomen. Die eigentliche Bedeutung der Aufzeichnungsgeräte liegt darin, dass sie uns an den Charakter unserer Erinnerungen erinnern. *
In der Aktionskunst findet das Bild nicht mehr an der Wand statt, sondern es breitet sich als allumfassende Collage aus Realität und Inszenierung zwischen Wirklichkeit und Traum in unserer alltäglichen Erlebnis-Welt aus. Aktionen sind erlebte Bilder.
[HA Schult; New York ist Berlin]