Heiner Müller ist zum Zeitpunkt des Gesprächs Präsident der Akademie der Künste - Ost. Zu Beginn schildert er Kluge seinen Tagesablauf. Er ist ein unwilliger Präsident, der eine Akademie im Umbruch leiten muss, die bald in einer "Europäischen Künstlersozietät" aufgehen wird. Über die einzig funktionierende und innovative "Sektion Musik" der Akademie, die Meisterschüler ausbildet, kommt Müller auf Brecht zu sprechen, dessen Meisterschüler er fast geworden wäre. Nachträglich ist er froh, diese Chance verpasst zu haben und so Brechts Sog entgangen zu sein, der seinen Mitarbeitern den individuell-kreativen Raum entzog. Müller berichtet, wie er sich während seiner Bewerbungsphase und danach im Jahr 1951 mit verschiedenen Jobs durchschlug: Rezensent von Büchern, Nachdichter von Stalinliedern. Auf die Frage Kluges, was eigentlich der Grundgedanke einer Akademie sei, kehrt das Gespräch zu seinem Ausgangspunkt zurück: Die Akademie sei eigentlich der staatsfreie Raum, meint Müller.

Jede gefrorene Struktur hat seine Akademie; Video, Transkript

Alexander Kluge und Christoph Schlingensief im Gespräch.

Die Elemente des Films müssen robust, authentisch, zueinander stimmig sein. Sie bilden eine Partitur. Es ist sehr kompliziert, was man für glaubwürdig erklärt. Aber es ist ein hohes filmisches Ideal, höher als ästhetische Schönheit.

Alexander Kluge im Gespräch mit Ursula Bushnell.

Sehen Sie, der Kernpunkt meiner Wahrnehmungen im Film und in der Literatur ist der Antirealismus des Gefühls. Das heißt: Menschen, die mit einer Wirklichkeit konfrontiert werden, die diese Menschen missachtet, leugnen diese Wirklichkeit - dies ist wirklich. Und dass diese bittere und harte Wirklichkeit durch Menschen nicht einfach zu verändern ist zu Lebzeiten, mit den Mitteln, die wir kennen: Das ist eine zweite Wirklichkeit. *